Der DGB fordert, dass öffentliche Aufträge im Bund wie in Hessen und in den anderen Ländern nur an Unternehmen gehen, die ihre Beschäftigten nach Tarif bezahlen. Tariftreue ermöglicht einen fairen Wettbewerb um bessere Qualität. Denn der Wettbewerb geht dann nicht mehr zu Lasten der Beschäftigten. Gute Einkommen und mehr gute Arbeit stützen zudem die Binnenkonjunktur. Gerade wenn der Export schwächelt, ist das wichtig.
„Mit der Verpflichtung zur Tariftreue verhindern wir Lohndumping. Eine wirksame Tariftreueregelung, an der wir für Hessen arbeiten, verpflichtet den Staat als Auftraggeber, Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig werden Tarifverhandlungen, also fair ausgehandelte Löhne und Arbeitsbedingungen, gefördert. Das entspricht dem Wunsch einer breiten Mehrheit der Beschäftigten in Deutschland.“
Forsa: Mehrheit der Beschäftigten für Tariflöhne
Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag des DGB sprechen sich 59 Prozent der Deutschen dafür aus, öffentliche Aufträge nur noch an Unternehmen zu vergeben, die Tariflöhne zahlen. Selbst unter Anhängern von CDU/CSU findet das Tariftreuegesetz demnach breiten Zuspruch: 59 Prozent befürworten das Gesetz, nur 17 Prozent sprechen sich dagegen aus, 24 Prozent sind unentschieden. Die höchsten Zustimmungswerte verzeichnet das geplante Gesetz unter den Anhängern der SPD (73 Prozent), gefolgt von den Grünen (68 Prozent) und der Linken (65 Prozent).
Tarifbindung in Deutschland zu niedrig – EU-Richtlinie fordert Handeln
In Deutschland profitieren derzeit nur noch 49 Prozent der Beschäftigten von Tariflöhnen (Branchen- und Firmentarifverträge). Die EU-Mindestlohnrichtlinie sieht für die Mitgliedstaaten eine Tarifbindung von 80 Prozent vor. Mitgliedstaaten, in denen der Wert niedriger ist, mussten bis Ende 2025 einen nationalen Aktionsplan mit Maßnahmen für mehr Tariflöhne vorlegen. Die Bundesregierung ist dem bislang nicht nachgekommen.
Vorteile von Tarifverträgen
Mit Tarifvertrag bekommen Beschäftigte nicht nur im Schnitt 10.900 Euro mehr Gehalt im Jahr (Quelle: destatis, Verdiensterhebung 2025). Sie haben auch mehr Urlaub, öfter und höhere Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, kürzere Arbeitszeiten, und oft auch einen besseren Kündigungsschutz, als gesetzlich vorgeschrieben.
Zur Umfrage:
Für die repräsentative Umfrage hat Forsa vom 6. bis 13. Februar 2026 insgesamt 1.004 abhängig Beschäftigte befragt.
Hintergrund:
Weniger Steuereinnahmen, weniger Zahlungen in die Sozialversicherung, weniger Kaufkraft: Rechnet man alle Kosten zusammen, beträgt der finanzielle Schaden durch die geringe Tarifbindung insgesamt 123 Milliarden Euro jährlich.