DGB-Ju­gend Thü­rin­gen kri­ti­siert An­grif­fe auf Bil­dungs­frei­stel­lung

Datum

Ordnungsnummer PM 046

PM 046 - 05.08.2025

DGB-Jugend Thüringen kritisiert Angriffe auf Bildungsfreistellung

Erfurt, 05. August 2025

Die DGB-Jugend Thüringen weist die Forderung der Wirtschaftsverbände, das Thüringer Bildungsfreistellungsgesetz infrage zu stellen, entschieden zurück – und fordert stattdessen: fünf Tage Bildungsurlaub pro Jahr auch für Auszubildende und Beamtenanwärter*innen.

„Während Arbeitgeber über Yoga-Kurse spotten, vergessen sie, dass Auszubildende in Thüringen gerade einmal drei Tage Bildungsfreistellung pro Jahr erhalten – und Beamtenanwärter*innen sogar komplett leer ausgehen“, erklärt Florian Landes vom Landesjugendausschuss der DGB-Jugend Thüringen. „Das sendet ein fatales Signal an alle jungen Menschen, die sich weiterbilden, einmischen und engagieren wollen.“

Bildungsurlaub ermögliche es Beschäftigten, sich außerhalb des Arbeitsalltags mit politischen, gesellschaftlichen und persönlichen Themen auseinanderzusetzen. Gerade für junge Menschen am Anfang ihres Berufslebens seien solche Angebote ein wichtiges Instrument demokratischer Teilhabe. Doch das Thüringer Bildungsfreistellungsgesetzes gewährt Auszubildenden derzeit nur drei statt fünf Tage Bildungsurlaub. Warum ausgerechnet Azubis weniger Freistellungsmöglichkeiten für Demokratiebildung und Engagement bekommen, ist für die DGB-Jugend nicht nachvollziehbar – zumal Demokratie und Mitbestimmung im Berufsschulunterricht oft nicht oder nur randständig behandelt werden.

Angriff auf Bildungsfreistellung ist Angriff auf Teilhabe

Die Forderung nach einer Abschaffung des Gesetzes entbehrt nach Ansicht der DGB-Jugend Thüringen jeder Grundlage: Im vergangenen Jahr haben lediglich 1,3 % der Beschäftigten in Thüringen Bildungsurlaub in Anspruch genommen. Für kleine Betriebe gibt es bereits heute Ausnahmeregelungen. Zudem müssen alle Angebote von einem unabhängigen Beirat geprüft und anerkannt werden – unter Beteiligung der Arbeitgeberseite. Die angebotenen Seminare und Schulungen müssen immer einen Bildungscharakter haben.

„Bildungsurlaub ist kein Freizeitvergnügen, sondern gelebte Demokratie. Wer junge Menschen wachsen sehen will, muss ihnen auch ausreichend Möglichkeiten geben, sich zu bilden“, so Landes weiter. Es sei widersprüchlich, auf der einen Seite ehrenamtliches Engagement und gesellschaftliche Verantwortung zu fordern, aber auf der anderen Seite die dafür nötigen Freiräume verwehren zu wollen.

DGB-Jugend fordert Gleichstellung: Jetzt ist die Landesregierung gefragt

Die DGB-Jugend Thüringen fordert daher fünf Tage Bildungsurlaub pro Jahr auch für Auszubildende und Beamtenanwärter*innen. Außerdem sollten Bildungsurlaubsangebote, die in anderen Bundesländern bereits anerkannt sind, auch in Thüringen automatisch anerkannt werden. Das spare Kapazitäten und mache Bildungsfreistellungsangebote insgesamt deutlich attraktiver. „Politische Bildung geht uns alle an. Arbeitgeber und Kammern sollten sich keinen „schlanken Fuß“ machen, sondern Beschäftigte und Azubis ermutigen, sich weiterzubilden und zu engagieren.“ Nun sei die Landesregierung gefragt, Bildungsurlaub zu stärken und endlich auch Auszubildende gleichberechtigt einzubeziehen.

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