DGB-Vorsitzender und Stellvertreterin des Bezirkes Hessen-Thüringen gewählt

Bad Hersfeld, 13. Dezember 2025

Datum

Ordnungsnummer PM 087

Rudolph und Sternatz skizzierten in ihren Reden die politischen Leitlinien für die kommenden vier Jahre und machten deutlich: Der DGB wird die nächsten vier Jahre nutzen, um Verteilungsgerechtigkeit durchzusetzen, Demokratie zu stärken und mit guter Bildung und Geschlechtergerechtigkeit den sozialen Zusammenhalt zu sichern.

In seiner Rede stellte Michael Rudolph die Frage der gerechten Verteilung des gesellschaftlichen Wohlstands klar in den Mittelpunkt. Die zunehmende Vermögenskonzentration sei eine zentrale politische und soziale Herausforderung: „Zehn Prozent besitzen 60 Prozent des Vermögens. Die Mehrheit hat wenig oder gar nichts. Das ist nicht gerecht – und das werden wir nicht akzeptieren.“

„Wir kämpfen für höhere Löhne, eine starke Arbeitslosenversicherung und eine gute Rente. Wir setzen uns für eine funktionierende öffentliche Daseinsvorsorge und Infrastruktur ein. Dafür müssen die starken Schultern in diesem Land endlich wieder mehr Verantwortung übernehmen.“ Rudolph forderte deshalb eine konsequente Reform der Steuerpolitik, darunter eine Wiedereinführung der Vermögensteuer und eine wirksamere Erbschaftsteuer, damit der Sozialstaat gestärkt und Zukunftsaufgaben sicher finanziert werden können.

Neben der Verteilungsfrage setzte Rudolph vor allem auf die Verteidigung der Demokratie. Er erneuerte seinen Appell, ein AfD-Verbotsverfahren einzuleiten, und verwies auf die historische Verantwortung der Gewerkschaften für eine wehrhafte Demokratie. Ein weiterer Kernpunkt seiner Rede war die Stärkung der Tarifbindung. Rudolph kritisierte Arbeitgeberverbände, die sich zunehmend von sozialer Verantwortung verabschiedeten: „Viele Arbeitgeber wollen freie Hand – am liebsten ohne Tarifverträge und ohne Schutz für die Beschäftigten. Das wird es mit uns nicht geben.“

Die Einführung von Tariftreuegesetzen in beiden Ländern sei deshalb ein zentraler Erfolg, der nun konsequent umgesetzt werden müsse. Zum Abschluss betonte Rudolph die Rolle der Gewerkschaften im wirtschaftlichen Wandel: „Transformation gelingt nicht durch Druck und Abbau, sondern durch Beteiligung, Mitbestimmung und Solidarität.“

Die stellvertretende Vorsitzende Renate Sternatz machte deutlich, dass Bildungspolitik entscheidend für soziale Teilhabe und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit sei: „Gute Bildung ist ein Menschenrecht. Wer Qualität in Kitas, Ganztagsbetreuung und Hochschulen will, muss investieren – und zwar jetzt.“

Die stellvertretende Vorsitzende hob außerdem die Bedeutung guter Ausbildungsbedingungen hervor und verwies dabei besonders auf das Thema Azubi-Wohnen. Während Studierende über Studierendenwerke Zugang zu bezahlbarem Wohnraum hätten, fehle eine vergleichbare Infrastruktur für Auszubildende noch immer. Sternatz betonte: „Unsere Forderung nach Azubi-Wohnen wurde in Hessen in den Koalitionsvertrag aufgenommen, und in Thüringen ist die Gründung eines Azubi-Werkes im Regierungsvertrag vereinbart. Jetzt müssen diese Zusagen auch umgesetzt werden.“

Sternatz unterstrich außerdem die Notwendigkeit, Minijobs abzubauen, eigenständige Existenzsicherung für Frauen zu stärken und migrantische Kolleginnen besser zu schützen: „Geschlechtergerechtigkeit entsteht nicht von allein. Sie braucht politische Entscheidungen, verlässliche Strukturen und starke Gewerkschaften.“

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