DGB: Wer jahrzehntelang gearbeitet hat, muss sich auf eine gute Rente verlassen können
„Wer 45 Versicherungsjahre hinter sich hat, muss ohne Abschläge in Rente gehen können. Eine Abschaffung dieser Regelung durch die Erhöhung des Renteneintrittsalters wäre faktisch nichts anderes als eine Rentenkürzung. Viele ältere Beschäftigte sind bereits vor dem Renteneintritt gesundheitlich angeschlagen. Neben den körperlichen Belastungen in verschiedenen Branchen haben beispielsweise in den Gesundheits- und Sozialberufen auch die psychischen Belastungen enorm zugenommen. Die Politik muss bei allen Überlegungen zur Rentenreform verantwortungs- und respektvoll mit der Arbeits- und Lebensleistung der Beschäftigten umgehen. 45 Versicherungsjahre sind genug!“
Die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren ist für viele Menschen in Hessen von großer Bedeutung. Fast jede dritte Person (29,6 Prozent), die 2024 in Hessen in Altersrente ging, nutzte die Regelung für besonders langjährig Versicherte.[1] Eine Abschaffung der abschlagsfreien Rente würde daher auch in Hessen zahlreiche Menschen treffen.
„Ob Menschen im Alter gut abgesichert sind, ist eine Frage politischer Entscheidungen. Wir brauchen eine starke gesetzliche Rente und einen Sozialstaat, der auch diejenigen im Blick hat, die auf Unterstützung angewiesen sind.“ Wie wichtig ein verlässliches soziales Sicherungsnetz ist, zeigt ein Blick nach Hessen: Ende 2025 waren dort 111.255 Menschen auf Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung angewiesen.
Die DGB-Rentenkommission empfiehlt, das Leistungsversprechen der gesetzlichen Rente wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken und eine verpflichtende, arbeitgeberfinanzierte Betriebsrente einzuführen. Zugleich lehnt sie eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters ab und fordert bessere Übergänge in den Ruhestand für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen.
„Gute Renten beginnen mit guten Löhnen und sicheren Arbeitsplätzen. Deshalb brauchen wir mehr Tarifbindung und weniger Niedriglohnbeschäftigung. Wer die Alterssicherung stärken will, muss auch die Arbeitsbedingungen verbessern. Rentenkürzungen und ein höheres Renteneintrittsalter sind dafür keine Lösung“, so Sternatz.
Hintergrund
Der DGB hat im Januar 2026 eine unabhängige Rentenkommission eingesetzt, um ein überzeugendes Gesamtkonzept zur Zukunft der Alterssicherung im Austausch mit Expertinnen und Experten zu erarbeiten. Die Kommission bündelt gewerkschaftliche, wissenschaftliche und zivilgesellschaftliche Perspektiven. Ihr gehören Vertreterinnen und Vertreter der DGB-Mitgliedsgewerkschaften sowie Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wohlfahrtspflege und Politik an.
Den vollständigen Abschlussbericht der DGB-Rentenkommission finden Sie unter: https://www.dgb.de/rentenkommission/.
[1] Quelle: Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung 2025