„Frauen verdienen in Deutschland noch immer 16 Prozent weniger als Männer, in Thüringen sind es 5 Prozent weniger pro Stunde. Diese Lohnlücke – auch wenn sie unter dem Bundesdurchschnitt liegt – ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis struktureller Ungleichheit“, betont die stellvertretende Bezirksvorsitzende Renate Sternatz.
Zugleich zeigt sich ein deutlicher regionaler Unterschied: Frauen in Thüringen verdienen 1,49 Euro bzw. 6,5 Prozent weniger als Frauen im Bundesdurchschnitt. Damit ist dieser regionale Abstand größer als der Gender-Pay-Gap in Thüringen selbst, der bei 5 Prozent liegt.
Für mehr Gerechtigkeit auf dem Lohnzettel brauche es verbindliche Regeln und Transparenz. Die Europäische Union hat hierfür einen Rahmen gesetzt, der bis Mitte 2026 in deutsches Recht umgesetzt werden muss. Werden die EU-Vorgaben Gesetz, stünden Arbeitgeber in der Pflicht, ihre Entgeltpraxis zu überprüfen, Benachteiligungen aufzudecken und zu beseitigen.
Gleichzeitig würden derzeit jedoch grundlegende Schutzrechte infrage gestellt. „Statt die Gleichstellung voranzutreiben, wird am Arbeitszeitgesetz, am Acht-Stunden-Tag sowie am Recht auf Teilzeit gerüttelt. Die aktuellen Debatten gehen völlig an der Realität der meisten Beschäftigten, vor allem Frauen, vorbei. Das ist keine moderne Arbeitsmarktpolitik und erst recht keine Gleichstellungspolitik – das ist Rückschritt mit Ansage!“
Wer Lohngerechtigkeit wirklich wolle, müsse die strukturelle Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt überwinden. Dazu gehören eine Brückenteilzeit für alle, damit Männer wie Frauen befristet ihre Arbeitszeit reduzieren können, ein Recht auf Rückkehr aus Teilzeit, Arbeitszeiten, die zum Leben passen, Entlastung in sozialen und personenbezogenen Berufen, eine Reform der Minijobs hin zu sozialversicherter Beschäftigung, die wirksame Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie sowie eine starke Mitbestimmung durch Betriebs- und Personalräte.
„Und allem voran braucht es eine starke Tarifbindung. Denn wo Tarifverträge gelten, sind die Verdienste höher und die Arbeitszeit kürzer“, betont Sternatz abschließend.