In Herborn gemeinsam die Rote Karte zeigen!

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Dachzeile Mehr als 3.500 Industriearbeitsplätze unter Druck:

Mehr als 3.500 Industriearbeitsplätze sind in Mittelhessen bedroht oder bereits verloren. Buderus Edelstahl und Continental in Wetzlar, BioNTech, CSL und Nexelis an den Marburger Behringwerken, Fritz Winter in Stadtallendorf, Safran in Herborn und Cloos in Haiger stehen beispielhaft für eine Entwicklung, die längst die gesamte Region erfasst hat.

Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, Familien und ganze Kommunen. Beschäftigte bangen um ihre Arbeitsplätze, Standorte und Zukunftsperspektiven. Gleichzeitig werden in den Betrieben längere Arbeitszeiten, Einschnitte bei tariflichen Leistungen und weitere Zugeständnisse verlangt. Auf politischer Ebene geraten zudem Arbeitnehmerrechte und soziale Sicherheiten unter Druck.

Für den DGB Mittelhessen und die IG Metall Herborn-Betzdorf gehören diese Entwicklungen zusammen. Unter dem Motto „Rote Karte gegen Arbeitsplatzabbau, Sozialkahlschlag und Angriffe auf Tarifverträge“ rufen sie am Freitag, 11. September 2026, um 11:55 Uhr zur Kundgebung auf dem Herborner Marktplatz auf.

Betriebliche Krise, Sozialabbau und Tarifangriffe gehören zusammen

„Viele Beschäftigte erleben gerade eine doppelte oder sogar dreifache Verunsicherung“, erklärt Oliver Scheld, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Herborn-Betzdorf. „Sie wissen nicht, wie sicher ihr Arbeitsplatz morgen noch ist. Gleichzeitig sollen sie in den Betrieben auf tarifliche Leistungen verzichten oder länger arbeiten. Und auf politischer Ebene werden Schutzrechte und soziale Sicherheiten infrage gestellt. Genau diese Entwicklungen gehören für uns zusammen.“

Die Gewerkschaften kritisieren unter anderem die geplante Ausweitung sachgrundloser Befristungen, die Debatte über eine Aufweichung des Acht-Stunden-Tages, die Forderung nach einer generellen Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag sowie drohende Verschlechterungen bei Rente, Gesundheit und Pflege. Auch die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren und bewährte Möglichkeiten der Altersteilzeit stehen unter Druck.

Was politisch als „Flexibilisierung“ für mehr Wettbewerbsfähigkeit bezeichnet werde, komme in den Betrieben längst als Forderung nach längeren Arbeitszeiten, weniger tariflichen Leistungen und neuen Zugeständnissen an.

BDA-Vorschläge sind ein Frontalangriff auf die Mitbestimmung

Zusätzlich fordert die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), bestehende Mitbestimmungsrechte auf den Prüfstand zu stellen. In dringenden Fällen sollen Arbeitgeber vorläufig allein entscheiden können – ohne Zustimmung des Betriebsrats oder einen vorherigen Spruch der Einigungsstelle. Zugleich sollen die Verfahren bei Restrukturierungen, Werksschließungen und Entlassungen beschleunigt werden.

„Das ist kein Bürokratieabbau, sondern ein Frontalangriff auf die betriebliche Mitbestimmung“, erklärt Robin Mastronardi, Geschäftsführer des DGB Mittelhessen. „Ausgerechnet in einer Zeit von Stellenabbau, Standortschließungen und Verzichtsforderungen sollen diejenigen geschwächt werden, die den Beschäftigten im Betrieb eine Stimme geben. Dieser Angriff reiht sich ein in eine beispiellose Offensive gegen hart erkämpfte Rechte. Das werden wir nicht hinnehmen.“

Betriebsräte seien kein Standortnachteil, sondern unverzichtbar, um wirtschaftliche Veränderungen sozial zu gestalten, Beschäftigung zu sichern und tragfähige Lösungen für Betriebe und Belegschaften zu erreichen.

Unsicherheit schafft kein Wachstum

DGB und IG Metall widersprechen auch der Behauptung, Einschnitte bei Arbeitnehmerrechten und Sozialleistungen würden automatisch Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität stärken und Wachstum generieren. Das Gegenteil sei der Fall: Wer nicht wisse, wie sicher der eigene Arbeitsplatz sei, was die Rente künftig wert sei oder welche zusätzlichen Kosten bei Gesundheit und Pflege drohten, halte sein Geld zusammen.

Steigende Lebenshaltungskosten, unsichere Energiepreise und wachsende Abstiegsängste schwächen die Kaufkraft und damit die Binnenwirtschaft. Gerade angesichts volatiler Weltmärkte und der hohen Exportabhängigkeit Deutschlands braucht es jedoch mehr wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit, Investitionen und stabile Nachfrage.

„Wenn es heißt, wir müssten jetzt alle den Gürtel enger schnallen, muss man auch fragen: Wer ist eigentlich dieses Wir?“, so Mastronardi. „Die Beschäftigten haben die aktuellen Krisen nicht verursacht. Sie dürfen nicht beim Arbeitsplatz, beim Tarifvertrag und beim Sozialstaat dreimal die Rechnung dafür bezahlen.“

Zukunft statt Kahlschlag

DGB und IG Metall fordern eine aktive Industrie- und Strukturpolitik, die Arbeitsplätze und Standorte sichert. Öffentliche Förderung müsse an Beschäftigungssicherung, Tarifbindung und Mitbestimmung geknüpft werden. Notwendig seien Investitionen in Infrastruktur, Innovation, Qualifizierung und die Transformation der Betriebe.

Gute Tarifverträge, starke Betriebsräte und ein verlässlicher Sozialstaat sind dabei keine Hindernisse für wirtschaftlichen Erfolg. Sie schaffen Sicherheit, stärken die Kaufkraft und ermöglichen es, Veränderungsprozesse gemeinsam zu bewältigen.

DGB Mittelhessen und IG Metall Herborn-Betzdorf rufen Beschäftigte, Auszubildende, Rentnerinnen und Rentner, Erwerbslose, Schülerinnen und Schüler, Studierende sowie alle Menschen aus der Region auf:

Kommt am Freitag, 11. September 2026, um 11:55 Uhr auf den Marktplatz nach Herborn. Zeigen wir gemeinsam die Rote Karte gegen Arbeitsplatzabbau, Sozialkahlschlag und Angriffe auf Tarifverträge und Mitbestimmung!

Herborn ist dabei nicht der Endpunkt: Am 26. September mobilisieren die Gewerkschaften aus Mittelhessen zum bundesweiten DGB-Aktionstag „Hart verdient! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente.“ nach Frankfurt.

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