Saisonarbeit in Hessen: Mehr Transparenz bei Arbeitszeit und Entlohnung notwendig
Jan Meyer, IG BAU, betont: „Wir haben bei unseren diesjährigen Feldbesuchen Licht und Schatten erlebt. Neben unwürdigen Arbeitsbedingungen und zweifelhaften Entlohnungsmethoden haben wir auch festgestellt, dass harte Arbeit teilweise deutlich unter dem gesetzlichen Mindestlohn vergütet wurde. Gleichzeitig sind wir auf Betriebe gestoßen, die ihre Beschäftigten fair bezahlen und kostenlos unterbringen. Doch gerade diese Betriebe leiden unter der Konkurrenz, die auf Kosten der Beschäftigten spart. Deshalb brauchen wir endlich wirksame Kontrollen in der Landwirtschaft – auch durch den Zoll. Davon profitieren sowohl die Saisonbeschäftigten als auch die fairen Betriebe.“
Michael Rudolph, Vorsitzender des DGB Hessen-Thüringen, ergänzt: „Saisonbeschäftigte leisten einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Landwirtschaft. Dafür verdienen sie faire Arbeitsbedingungen, eine verlässliche Bezahlung und soziale Absicherung. Wer über Jahre hinweg in Deutschland arbeitet, muss auch Ansprüche für das Alter aufbauen können. Die Ausweitung der sozialversicherungsfreien Beschäftigung ist deshalb ein Schritt in die falsche Richtung. Wir brauchen mehr soziale Sicherheit und wirksame Kontrollen, damit die Rechte der Beschäftigten nicht nur auf dem Papier stehen.“
Ein zentrales Problem ist die mangelnde Nachvollziehbarkeit von Arbeitszeit und Entlohnung. Beschäftigte berichteten, dass sie teilweise keine eigenen Arbeitsverträge, Arbeitszeitaufzeichnungen oder nachvollziehbaren Lohnabrechnungen erhalten. Damit können sie kaum überprüfen, ob sämtliche geleisteten Stunden korrekt vergütet und der gesetzliche Mindestlohn eingehalten werden. Hinzu kommen teilweise erhebliche Arbeitsbelastungen. Beschäftigte berichteten von Arbeitstagen mit bis zu zwölf Stunden, fehlenden freien Tagen und hohem Leistungsdruck bei Akkordarbeit. In den Gesprächen wurden auch Überschreitungen der Höchstarbeitszeit und Unterschreitungen des Mindestlohns thematisiert. Teilweise erfolgt die endgültige Lohnauszahlung erst am Ende der Saison, was die Überprüfung der Vergütung zusätzlich erschwert.
Auch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung unterscheiden sich erheblich. Die genannten Beträge reichen von kostenloser Versorgung bis zu knapp 30 Euro täglich. Teilweise konnten Beschäftigte nicht nachvollziehen, wie sich die Abzüge zusammensetzen. In einzelnen Fällen wurden zudem unzumutbare Wohnverhältnisse geschildert.
Letitia Matarea-Türk, Faire Mobilität, ergänzt: „Viele Saisonarbeitskräfte stellen erst am Ende der Saison fest, dass ihnen nicht alle geleisteten Arbeitsstunden vergütet wurden oder dass sie die Abzüge für Unterkunft und Verpflegung nicht nachvollziehen können. Wenn Arbeitszeiten intransparent bleiben und wichtige Arbeitsunterlagen vorenthalten werden, ist es für die Beschäftigten besonders schwierig, ihre Rechte einzufordern. Deshalb ist es unabdingbar, dass sie von Beginn an mehrsprachige Arbeitsverträge erhalten, regelmäßig monatliche Lohnabrechnungen bekommen und jederzeit Einblick in ihre erfassten Arbeitszeiten haben. Nur durch diese Transparenz kann sichergestellt werden, dass Saisonarbeitskräfte fair behandelt werden und für ihre oft körperlich schwere Arbeit den Lohn erhalten, der ihnen zusteht.“
Aura Plesca, Europäischer Verein für Wanderarbeiterfragen e. V. / Faire Mobilität, erklärt abschließend: „Besonders in Branchen wie der Landwirtschaft ist es wichtig, Beschäftigte über ihre Rechte aufzuklären und sie dabei zu unterstützen, mögliche Verstöße gegen arbeitsrechtliche Bestimmungen zu erkennen. Niedrigschwellige Beratungsangebote und gezielte Informationsaktionen, die wir jedes Jahr durchführen, können dazu beitragen, Unsicherheiten abzubauen, das Bewusstsein für die eigenen Rechte zu stärken und die Beschäftigten darin zu ermutigen, diese bei Bedarf einzufordern.“
Erkenntnisse zu den Landwirtschaftsaktionen in Hessen: Bericht April-Juni 2026
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