Weichen für Reaktivierungen und Bahnausbau stellen - Niemand soll in Hessen abgehängt bleiben
Gemeinsame Pressemitteilung Hessisches Bündnis Sozialverträgliche Mobilitätswende
Am Mittwoch, 26. August 2026, traf sich das Bündnis sozialverträgliche Mobilitätswende mit dem hessischen Verkehrsminister Kaweh Mansoori am Bahnhof in Lollar, um auf die notwendige Reaktivierung von Schienenstrecken am Beispiel der Lumdatalbahn, die das Lumdatal mit der Stadt Gießen verbindet, aufmerksam zu machen.
Das Bündnis hat den Minister in dem Gespräch gebeten, das Anliegen zu prüfen und mehr finanzielle Mittel für hessische Bahnverbindungen bereitzustellen. „Minister Mansoori sollte beim Bahnausbau die Federführung übernehmen. Es ist wichtig, konsequent die Bahnreaktivierungen anzugehen und ihren Betrieb finanziell abzusichern“, hob Klaus Zecher (Vorsitzender EVG Mittelhessen und stv. Landesvorsitzender Pro Bahn) hervor.
Anja Zeller (Geschäftsführerin VCD Hessen) betonte: „Niemand soll in Hessen vom Schienennetz abgehängt bleiben. Zwar sei es erfreulich, dass 50 Millionen Euro des Sondervermögens in die Reaktivierung der Lumdatal-, der Horloff- und der Aartalbahn fließen sollen. Es sind aber mehr Mittel erforderlich, um den zukunftsgerichteten und barrierefreien Ausbau zu sichern. Notwendig ist es zudem, den laufenden Betrieb durch das Land zu unterstützen.“ Das Bündnis fordert Minister Mansoori konkret auf, sich in Berlin für die Erhöhung der Regionalisierungsmittel einzusetzen und den Eigenbeitrag des Landes zu erhöhen.
Michael Rudolph (Vorsitzender DGB Hessen-Thüringen) erklärte: „Die Reaktivierung von Bahnstrecken ist dringend notwendig, um die Pendler*innen und Industriebetriebe in ländlichen Regionen wieder ans Schienennetz anzubinden, Ortsdurchfahrten vom Durchgangsverkehr zu entlasten sowie die Lebensqualität und den Klimaschutz zu stärken.“
Im Falle der Lumdatalbahn, auf deren Trasse 1981 der letzte Personenzug fuhr, zeigt die Kosten-Nutzen-Betrachtung ein eindeutig positives Ergebnis. Durch die Reaktivierung könnten jährlich PKW-Fahrten von 7,2 Millionen Kilometern eingespart werden. Das verbesserte ÖPNV-Angebot würde zusätzliche Fahrgasterlöse generieren und die Daseinsvorsorge im ländlichen Raum stärken.[1]
Sofrony Riedmann (Geschäftsführer ADFC Hessen) betonte, dass auch die Kommunen in der Radweg- und Fußwegeplanung als Zubringer zu den Bahnhöfen vom Land unterstützt werden sollten und bei Park & Ride-Anlagen auch Radfahrende an den fünf geplanten Haltepunkten entlang der Strecke zu berücksichtigen seien. Für die Anbindung der einzelnen Orte sei zudem ein integriertes Busangebot notwendig, das die einzelnen Stationen mit dem Umland verbindet.
Das Bündnis mahnt darüber hinaus, dass die Reaktivierungsanstrengungen in Hessen weitergehen müssten. Zentral bleibe auch der Ausbau vorhandener Strecken, wie die Main-Weser-Bahn zwischen Gießen und Frankfurt auf vier Gleise, um die viel befahrene Trasse in der Mitte Deutschlands zukunftssicher zu gestalten und damit auch die Straßen zu entlasten.
[1] Hessische Landesbahn (Hrsg.): Nutzen-Kosten-Untersuchung Reaktivierung der Lumdatalbahn. Endbericht. Juni 2026. Online verfügbar unter: https://hlb-online.de/wp-content/uploads/2026/06/NKU_LTB_Endbericht.pdf (Abgerufen am 24. Juli 2026)