„Ich bin entsetzt über die Ankündigung des Unternehmens. Die Entscheidung selbst sowie deren Kommunikation sind skandalös und verantwortungslos. Die Beschäftigten haben noch in der Vorweihnachtszeit alles gegeben und als Dank wird ihnen nach der Jahreswende die Standortschließung präsentiert. Das darf nicht ohne Konsequenzen bleiben. Außerdem muss sich das Unternehmen in erheblichem Umfang an der Zukunft der Beschäftigten beteiligen. Das darf nicht allein die Aufgabe der Arbeitsagentur werden“, fordert Michael Rudolph.
Die Ansiedlung von Zalando in Thüringen wurde mit rund 22 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln gefördert. Dabei ist die Kritik am Geschäftsmodell, am Umgang mit den Beschäftigten und der Gewinnmaximierungs-strategie schon lange bekannt. „Angesichts der mit öffentlichen Mitteln geförderten Ansiedlung sollte Zalando einen erheblichen Teil der erhaltenen Fördermittel zurückzahlen. Die Schließung ist keine wirtschaftliche Notwendigkeit, sondern eine bewusste Entscheidung zugunsten höherer Profite. In die Weiterqualifizierung der Beschäftigten wurde kaum investiert. Jetzt, wo mittelfristig Investitionen in das Werk anstehen, soll Schluss sein. Sowas muss politisch Folgen für zukünftige Förderkriterien haben und nicht mit Bedauern zur Kenntnis genommen werden”, so Rudolph weiter. „Wir kritisieren aufs Schärfste, dass die Wirtschaftsministerin die sozialen Kriterien bei der Vergabe von Fördermitteln im letzten Jahr deutlich verschlechtert hat, indem Tarifbindung als Bonuskriterium gestrichen wurde. Dieser Irrweg muss gestoppt werden.“
„Als Vorsitzender des DGB Hessen-Thüringen ist für mich ganz klar: Wir lassen nicht zu, dass Belegschaften gegeneinander ausgespielt werden. Zalando darf für den Standort in Gießen keinen Cent Steuergeld bekommen“, so Michael Rudolph. „Dass die CDU-Fraktion ausgerechnet im Rahmen ihrer beginnenden Klausurtagung fordert, Wirtschaftsfördermittel auch dann zu vergeben, wenn damit Beschäftigung abgebaut wird, schlägt dem Fass den Boden aus.“
Der DGB rät allen betroffenen Beschäftigten, keine voreiligen Unterschriften zu leisten, sondern sich gewerkschaftlich zu organisieren, solidarisch zu sein und Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen. Neben dem Betriebsrat und der Gewerkschaft ver.di bieten die Beratungsstellen Faire Integration und Faire Mobilität auch Beratung in den meisten Herkunftssprachen der Beschäftigten an.