Deutscher Gewerkschaftsbund

20.01.2016

Die Reichtumsuhr

Steuerlast und Vermögen sind in Deutschland sehr ungerecht verteilt. Das reichste Prozent der Bevölkerung besitzt allein 23% des privaten Vermögens – die reichsten 10 % der Bevölkerung kommen auf satte 60%. Beim Großteil der Bevölkerung (60%) gleichen sich Vermögen und Schulden aus. Schlechter geht es dem ärmsten Zehntel der Bevölkerung. Hier wachsen die Schulden in jeder Sekunde und Reichtum ist in weiter Ferne.

Die ungleiche Verteilung des Reichtums hat System. Die vermögensbezogenen Steuern (Erbschaftsteuer, Vermögensteuer) sind deutlich geringer als in vergleichbaren Ländern. Wer einmal reich ist, muss sich nicht vor großen Belastungen fürchten und kann dank seines Vermögens immer reicher werden. Und wer ein hohes Einkommen hat, kann über mögliche Ersparnisse und Finanzinvestitionen Gewinne realisieren, die für viele Menschen gar nicht möglich sind.

Seit Anfang der 1980er Jahre wird die Steuer- und Abgabenbelastung immer mehr zu Ungunsten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern verschoben. Sie finanzieren mit ihren Steuern mittlerweile rund vier Fünftel der öffentlichen Ausgaben, obwohl ihr Anteil am Volkseinkommen nur gut drei Fünftel beträgt. Sie tragen also überproportional zur Finanzierung öffentlicher Ausgaben bei. Die Belastung von Lohneinkommen durch Steuer- und Sozialabgaben ist mehr als doppelt so hoch wie die Steuerbelastung von Unternehmens- und Vermögenseinkommen (ca. 45% gegenüber ca. 20%). Während Arbeit hoch belastet wird, können sich Unternehmen und Vermögende über steuerliche Entlastung freuen.

Wenn man Unternehmen und Vermögen bei Steuereinnahmen weitgehend verschont, wundert es nicht, dass die öffentlichen Kassen immer leerer sind. Die Auswirkungen werden vor allem in unseren Städten und Gemeinden sichtbar. Verkehrswege verrotten, die Infrastruktur bröckelt. Schulgebäude verfallen und an eine echte Ganztagsbetreuung für unsere Kinder ist nicht zu denken. Gleichzeitig steigen vor Ort die Gebühren. Bund, Länder und Gemeinden müssen dringende Investitionen aus Sparzwang aufschieben oder können sie gar nicht durchführen.


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