Deutscher Gewerkschaftsbund

23.03.2011

Reichtumsuhr vor dem Gewerkschaftshaus in Frankfurt

Hier der Link zur Reichtumsuhr

http://www.vermoegensteuerjetzt.de/topic/17.reichtumsuhr.html

stefan körzell und cornelia kröll

Pressekonferenz am 23.03.2011 im Frankfurter Gewerkschaftshaus. Stefan Körzell, DGB Hessen-Thüringen und Cornelia Kröll, verdi Hessen, erläutern die Funktion der Reichtumsuhr. DGB Hessen-Thüringen/S. Kollar-Eggert

Erläuterung zur Vermögensuhr des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen und des Landesbezirks ver.di Hessen

Die Grundlage

Die Vermögensuhr basiert auf der Verteilung des individuellen Netto-Vermögens (Vermögen von Personen ab 17 Jahren) in Deutschland in den Jahren 2002 und 2007. Die Höhe des Gesamtvermögens in Deutschland und seine Verteilung ist von Wissenschaftlern des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung ermittelt worden. Das Nettovermögen setzt sich aus den folgenden Komponenten zusammen:

- selbst genutzter und sonstiger Immobilienbesitz (unter anderem unbebaute Grundstücke, Ferien- oder Wochenendwohnungen)
- Geldvermögen (Sparguthaben, Spar- oder Pfandbriefe, Aktien- oder Investmentanteile)
- Vermögen aus privaten Versicherungen (Lebens- oder private Rentenversicherungen, Bausparverträge)
- Betriebsvermögen (Besitz oder Beteiligung an einer Firma, Geschäft oder Betrieb)
- Sachvermögen in Form wertvoller Sammlungen wie Gold, Schmuck, Münzen oder Kunstgegenstände
- Schulden (vor allem Konsumenten- oder Hypothekenkredite).

Hausrat und PKW sind nicht enthalten, da hierfür ein adäquater Marktwert nur schwer zu ermitteln ist. Hierdurch wird der Wert des Vermögens unterschätzt.

Im Jahr 2007 verfügten alle Personen in Deutschland, die 17 Jahre und älter waren, über ein Nettovermögen in Höhe von 6,6 Billionen Euro (Bruttovermögen: 8 Billionen Euro, Verbindlichkeiten: 1,4 Billionen Euro). Damit ist innerhalb von fünf Jahren ein Anstieg von 900 Mrd. Euro auszumachen – 2002 belief sich das Nettovermögen auf 5,7 Billionen Euro.

Die Vermögen in Deutschland sind extrem ungleich verteilt, und diese Ungleichverteilung hat zwischen 2002 und 2007 stark zugenommen (vgl. auch die Abbildung). Die ärmsten 10 Prozent der Bevölkerung sind im Jahr 2007 verschuldet, rund zwei Dritte aller Erwachsenen weisen kein oder nur ein sehr geringes individuelles Nettovermögen auf. Im Gegensatz dazu verfügen die reichsten 10 Prozent über mehr als 60 Prozent des Gesamtvermögens, und das reichste 1 Prozent besitzen allein knapp 23 Prozent.

statistik

Quelle: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung

Ursache für persönlichen Reichtum sind z.B. Erbschaften und Schenkungen, es besteht jedoch auch ein klarer (positiver) Zusammenhang zwischen der Höhe von Einkommen und Vermögen: Wer viel verdient, verfügt meist auch über ein hohes Vermögen. Dabei beeinflussen sich Einkommenssteigerung und Vermögenszuwachs gegenseitig: hohe Einkommen ermöglichen über Ersparnisse eine entsprechende Vermögensbildung, und steigende Vermögen werfen zunehmende Zinseinkommen ab.


Die Fortschreibung des Vermögens

Die Vermögensuhr des DGB Hessen schreibt das private Nettovermögen fort. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Zuwachs ähnlich verläuft wie zwischen den Jahren 2002 und 2007. Die Verteilung des Jahres 2007 wir als gleichbleibend unterstellt, was als optimistisch zu bewerten: Allein schon aufgrund der im Trend weiter gestiegenen Ungleichverteilung der Einkommen seit 2007 ist auch mit einer steigenden Polarisierung der Vermögensverteilung zu rechnen.

Die Vermögensuhr versteht sich explizit als politischer Gegenentwurf zur Schuldenuhr des so genannten Bunds der Steuerzahler. Durch den Verzicht auf eine angemessene Besteuerung hoher Vermögen verschenkt die öffentliche Hand erhebliche Einnahmen – Geld, das zum Abbau der Verschuldung und für wichtige Aufgaben fehlt, z.B. im Bereich Erziehung und Bildung.


Politische Schlussfolgerungen

Die Einkommens- und Vermögensverteilung wird in Deutschland immer ungleicher: Der Niedriglohnsektor wächst, die Reallöhne fallen und die Armutsgefährdung steigt, während hohe Einkommen und Vermögen wachsen. Der Anteil der vermögensbezogenen Steuern (Erbschaftsteuer, Vermögensteuer usw.) am Bruttoinlandsprodukt liegt mit unter 1 Prozent nur etwa halb so hoch wie im Durchschnitt der OECD-Länder. Gleichzeitig ist die öffentliche Hand in Deutschland strukturell unterfinanziert: Wichtige Ausgaben etwa im Bereich der öffentlichen Infrastruktur, im Bildungssystem oder im Bereich der Erneuerbaren Energie können nicht im erforderlichen Umfang getätigt werden. Die Konsequenz daraus muss eine angemessene Besteuerung von hohen Einkommen und Vermögen sein, die sich zumindest am OECD-Durchschnitt orientiert.

Eine moderate Vermögensteuer mit einem Freibetrag in Höhe von 500.000 Euro und einem Vermögensteuersatz von 1 Prozent brächte Einnahmen in Höhe von jährlich 20 Milliarden Euro. Wenn zudem das Erbschaftssteueraufkommen durch Besteuerung besonders hoher Erbschaften gesteigert würde, könnten weitere 6 Milliarden Euro für die öffentliche Hand mobilisiert werden.


Literatur

  • Joachim R. Frick/Markus M. Grabka, Gestiegene Vermögensungleichheit in Deutschland, in: DIW Wochenbericht 4/2009.
  • Joachim R. Frick/Markus M. Grabka/Richard Hauser, Die Verteilung der Vermögen in Deutschland, Berlin 2010.
  • Ver.di, Konzept Steuergerechtigkeit, Berlin 2009.

 

Fototermin auf dem Dach des Gewerkschaftshauses

Fototermin auf dem Dach des Gewerkschaftshauses DGB Hessen-Thüringen


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