„Es war nicht nur Stauffenberg: Wilhelm Leuschner – zentraler Kopf im zivilen Netzwerk des 20. Juli 1944“
Wenn vom Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 die Rede ist, fällt den meisten nur der Name Claus Schenk Graf von Stauffenberg ein. Häufig ist sogar nur vom „Stauffenberg-Attentat“ die Rede, als sei es die Tat eines Einzelnen gewesen. In Wahrheit stand dahinter ein breites zivil-militärisches Bündnis verschiedenster Akteure: Zwar mussten das Attentat und der Putsch vom Militär ausgehen, für den Umsturz selbst aber hielten sich im ganzen Reich Zivilisten bereit, um nach dem Tag X wichtige Positionen in Politik und Verwaltung zu übernehmen.
Neusten Forschungen zufolge waren rund 200 Personen an der unmittelbaren Planung beteiligt. Anders als Stauffenberg hatten sich viele von ihnen dem Aufstieg der Nationalsozialisten von Anfang an entgegengestellt – so auch der Sozialdemokrat Wilhelm Leuschner. Als ehemaliger hessischer Innenminister und Gewerkschafter knüpfte er über Jahre hinweg Kontakte zwischen unterschiedlichen Gruppen der Opposition. Innerhalb der Verschwörung spielte er eine zentrale Rolle als Netzwerker, indem es ihm gelang, die Unterstützerbasis in der Arbeiterschaft auszuweiten. Für die Zeit nach einem geglückten Staatsstreich war er als Vizekanzler vorgesehen.
Wie konnte es dazu kommen, dass einer der wichtigsten Köpfe des Widerstands vom 20. Juli 1944 aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwunden ist? Welche politischen Interessen und gesellschaftlichen Strömungen beeinflussten den Diskurs nach 1945? Was blieb dabei auf der Strecke, und was verraten die Lücken im Gedenken über unseren Umgang mit der Geschichte?
Der Vortrag beleuchtet Leuschners Weg in den Widerstand und seine Bedeutung für die Umsturzpläne. Zugleich lädt er dazu ein, die Erinnerung an den Widerstand neu zu betrachten und jene Menschen wiederzuentdecken, deren Mut und politisches Handeln zu Unrecht im Schatten bekannterer Namen stehen.
Ruth Hoffmann
ist Journalistin und Autorin mit dem Schwerpunkt Geschichte. Ihr Buch Das deutsche Alibi. Mythos „Stauffenberg-Attentat“: Wie der 20. Juli 1944 vereinnahmt und politisch instrumentalisiert wird war für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert und wurde von der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS als Sachbuch des Jahres 2024 ausgezeichnet.
In diesem Jahr erschien ihr neues Buch Raubzug von rechts: Familie, Freiheit, Widerstand – Wie die Rechte unsere Werte kapert und für ihre Zwecke missbraucht.
Es ist für den NDR Sachbuchpreis nominiert. Weitere Informationen unter www.ruth-hoffmann.de
Die Veranstaltung ist kostenlos. Alle Informationen zur Veranstaltung findet ihr auch unter dgb-frankfurt.de.
Wir freuen uns auf eure Teilnahme!