Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 077 - 19.08.2013

Niedrige Löhne reißen Frauen in Abwärtsspirale

DGB Hessen-Thüringen stellt Studie vor

Die Studie „Frauen im Niedriglohnsektor in Hessen“ wurde unter folgenden Aspekten durchgeführt

  • Analyse quantitativer Daten zu Situation von Frauen im Niedriglohnsektor in Hessen nach Branchen, Beschäftigungsformen und Lohnstrukturen 
  • Vergleich von Landesdaten Hessen zum Bundesdurchschnitt
  • Betrachtung von Frauen im Niedriglohnsektor nach sozio-strukturellen Merkmalen: Familienstand, Kinderzahl, Alter, Qualifizierung
  • Untersuchung von Zusammenhängen zwischen sozio-strukturellen Merkmalen und der Beschäftigung im Niedriglohnsektor
  • Ergänzung der quantitativen Daten durch qualitative Interviews: Betrachtung der Beziehung zwischen Niedriglohnsektor und weiblichen Erwerbsbiographien
  • Folgen der ermittelten Erwerbssituation von Frauen


„Die Ergebnisse der Studie belegen, was wir als Gewerkschaften seit Jahren kritisieren,“ so Stefan Körzell, Vorsitzender des DGB Hessen-Thüringen. „Immer mehr Vollzeitbeschäftigungsverhältnisse fallen unter die Niedriglohnschwelle. Die Entwicklung geht zu Lasten der Frauen und zwingt sie weiterhin in die Abhängigkeit männlich dominierter Strukturen. Der Niedriglohnbereich ist für sie eine Sackgasse und kein Durchgangsstadium zum beruflichen Erfolg, Existenz sicherndem Einkommen oder einer armutsfesten Renten. Frauen müssen ihre Existenz jedoch selbst sichern können, ohne auf staatliche Transferleistungen oder ein männliches Einkommen angewiesen zu sein. Unabdingbar ist eine Neubewertung von Arbeit. Arbeiten, die traditionell überwiegend von Frauen verrichtet werden, müssen gesellschaftlich besser anerkannt und damit besser entlohnt werden.“

Prof. Dr. sc. Uta Meier-Gräwe, Justus-Liebig-Universität Gießen, sie hat die Studie durchgeführt: „In Hessen ist fast jede dritte Frau von einem Niedriglohn betroffen – das sind Frauen in Vollzeit und Teilzeit. Ihr überproportional hoher Anteil ist aber nicht primär ein Folge ihrer ‚Teilzeitaffinität‘, um familiäre Verpflichtungen zu erfüllen oder ‚gesteigerte Konsumlust‘, wie es jüngst von Seiten der Bundesregierung hieß. Die wachsende Zahl der Frauen, die Vollzeit oder vollzeitnah arbeiten wollen, wollen dafür auch entsprechend bezahlt werden. Das wissen wir aus den Interviews, die wir geführt haben und aus den Untersuchungen, die es dazu gibt. Es fehlen tragfähige und wenigstens mittelfristig überzeugende Konzepte eines zügigen beruflichen Wiedereinstiegs von Frauen sowie gleichstellungsorientierte strategische Allianzen mit anderen Akteuren vor Ort, um passgenaue familienfreundliche Infrastrukturen zu etablieren.“

Der Landesbezirksleiter von ver.di Hessen, Jürgen Bothner, dazu: „Die Studie belegt in eindrucksvoller Weise, was wir leider schon länger erleben müssen: Niedriglohn in Hessen ist jetzt weiblich. Das heißt zwangsläufig auch, dass Altersarmut künftig sehr stark Frauen betreffen wird. Die ver.di-Frauen haben darauf eine umfassende politische Antwort. Sie wollen ökonomische und soziale Eigenständigkeit für Frauen erreichen. Dazu gehört vor allem zunächst ein gesetzlicher Mindestlohn. Die Arbeitsmarktpolitik muss stärker auf ökonomische Eigenständigkeit von Frauen ausgerichtet werden, auch in der sozialen Sicherung. Deshalb spricht ver.di sich zum Beispiel für die Sozialversicherungspflicht ab dem ersten Euro aus und für die Abkehr von den Minijobs. Arbeitsverhältnisse dürfen nicht als ‚Zuverdienstmodell’ gestaltet werden, Frauen, die Teilzeit arbeiten muss es besser ermöglicht werden, in eine Vollzeitbeschäftigung zu wechseln.“


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