Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 066 - 07.09.2023

Pestel-Studie offenbart Wohnungsdefizit

DGB fordert Schaffung 30.000 geförderter und bezahlbarer Mietwohnungen pro Jahr

Der Studie zufolge lag das Wohnungsdefizit Ende 2022 bei rund 63.000 Wohnungen. In den letzten Jahren hat es sich sogar noch verschärft. Am stärksten
betroffen sind der Ballungsraum Rhein-Main und die Stadt Kassel. Hier sind auch die Mieten und Baulandpreise am höchsten. Der hohe Anteil älterer Gebäude
führt zu einem hohen Bedarf an energetischen Sanierungen.

Auf der Grundlage einer Bevölkerungsprognose hat das Pestel-Institut zudem den künftigen Wohnungsbedarf für Hessen bis 2045 ermittelt. Dabei wird davon ausgegangen, dass das Bundesland weiterhin auf den Zuzug notwendiger Arbeitskräfte angewiesen ist, um die wirtschaftliche Dynamik nicht zu beeinträchtigen.

Matthias Günther, Vorstand des Pestel-Instituts, fasst zusammen: „Allein in der nächsten Legislaturperiode müssen deutlich mehr als 30.000 Wohnungen je Jahr neu gebaut werden. Eine künftige Landesregierung muss sich auf die Schaffung von geförderten und bezahlbaren Mietwohnungen konzentrieren. Hochpreisige Wohnungen gibt es ausreichend. Weiterhin ist das Angebot für Senior*innen auszuweiten. Räumlich ist eine Fokussierung auf den Ballungsraum Rhein-Main und die Stadt Kassel erforderlich, ohne die anderen Regionen aus dem Blick zu verlieren. Dies gilt insbesondere für die Hochschulstädte Gießen und Marburg.“ Der vom Pestel-Institut prognostizierte Neubaubedarf würde eine Steigerung des Wohnungsbaus um 50 Prozent über dem Durchschnitt der letzten Jahre erfordern.

Gert Reeh, Vorsitzender des Mieterbundes Landesverband Hessen e.V., sagt: „Parteien, die die Förderung von Eigenheimen anstelle des Mietwohnungsbaus vorantreiben wollen, setzen auf das falsche Pferd. Im Bauen im Bestand liegt die Zukunft des Wohnungsbaus. Mit dem Umbau von bisher gewerblich genutzten Flächen (Büros, Einzelhandel, etc.), der Aufstockung von Wohn- und
Nichtwohngebäuden und dem Ersatz freistehender Einfamilienhäuser durch Reihen- oder Doppelhäuser bieten sich ausreichend Potenziale für die Schaffung zusätzlicher Wohnungen. Eine Prüfung der Landesbauordnung hinsichtlich einer Beseitigung von Hemmnissen beim Bauen im Bestand kann die Bautätigkeit spürbar beleben.“

Michael Rudolph, Vorsitzender des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen, sagt: „Die derzeitige Zahl von 80.000 Sozialwohnungen ist bei weitem unzureichend. Es gibt in Hessen momentan 800.000 potenziell berechtigte Haushalte für Sozialwohnungen. Neben dem Neubau sollte die Schaffung von Sozialwohnungen auch stärker über Modernisierungen und den Ankauf von Belegrechten erfolgen.Damit mehr Sozialwohnungen geschaffen werden, müssen öffentliche, genossenschaftliche und gemeinnützige Wohnungsunternehmen gestärkt werden. Dazu sollte sich die Landesregierung für die Einführung einer neuen Gemeinnützigkeit und dauerhafte Bindungen einsetzen.“

Die Studie des Pestel-Instituts wurde beauftragt durch den DGB-Bezirk Hessen-Thüringen, den DMB Landesverband Hessen e.V., die IG BAU Region Hessen,den ver.di Landesbezirk Hessen und den GEW Landesverband Hessen.


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