Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 060 - 18.08.2023

Jetzt reden die Fahrer

In den letzten Wochen mussten sich die LKW-Fahrer aus Georgien, Usbekistan, Tadschikistan, der Ukraine und der Türkei gegen die Kriminalisierung durch den polnischen Transportchef Mazur wehren. Anstatt den Dialog zu eröffnen, hat der polnische
Transportchef Strafanzeige gegen seine Fahrer erstattet, die ihr Geld einfordern. Ab heute machen die Fahrer öffentlich, welche großen Unternehmen an ihrer Ausbeutung beteiligt sind.

Im Moment stehen auf dem Parkplatz an der Raststätte Gräfenhausen LKWs, die für Firmen wie Audi, Porsche und Red Bull Energy Drink beladen sind. Zwischen dem polnischen Transportunternehmen und diesen Namen können sich noch
einige andere Transport- und Logistikunternehmen befinden. Derzeit stehen mehrere LKW beladen, bei denen DHL und Intercargo aus Österreich Teil der Liefer- und Vertragskette sind.

Im April dieses Jahres haben die Fahrer des ersten Gräfenhausener Protests Petitionen an DHL und Intercargo geschickt, um ihre ausbeuterische Situation zu schildern und um Hilfe von diesen Unternehmen zu bitten. Trotz dieser Petitionen
und auch nach der Verhaftung des Firmeninhabers Mazur im April 2023 sind diese Unternehmen weiterhin an der Vermittlung von Transportkontakten zu Mazur beteiligt.

Für alle wird damit deutlich, dass diese Unternehmen Gesetzesbrüche in Kauf nehmen und die Anforderungen des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LKSG) verletzen. Große Logistikunternehmen der Industrie und die multinationalen
Unternehmen handeln noch immer nicht gesetzeskonform, das geht zu Lasten der Fahrer und deren berechtigten Forderungen.

Während der heutigen Pressekonferenz bringen die Fahrer zum Ausdruck, worin der Unterschied in der Behandlung eines Formel-1-Fahrers und ihnen besteht. Red Bull und DHL sind große Namen und geben viel Geld für das Sponsoring von Formel-1-Rennfahrern aus. Die Rennfahrer verdienen viele Millionen im Jahr, bekommen keine Abzüge, wenn sie einen Unfall verursachen und werden wie Prominente behandelt. Die Gräfenhausener Fahrer verdienen so wenig, dass sie nicht einmal ihre Familien ernähren können, kein Geld haben, um einen Euro für einen Toilettengang auf einem deutschen Parkplatz auszugeben,
sich wie Sklaven behandelt fühlen und für alle unternehmerischen und wirtschaftlichen Risiken bei Mazur Lohnabzüge erhalten. Die Gesamtsumme der Forderungen wird in der heutigen Pressekonferenz bekanntgegeben.

Renate Sternatz, DGB Bezirk Hessen-Thüringen: „Die Fahrer melden sich jetzt zu Wort und zeigen auf, wie die Vermittlung von Transporten erfolgt, wie die beteiligten Unternehmen agieren und damit die prekären Arbeitsbedingungen der Fahrer bestimmt werden. Damit wird deutlich, welche Missstände im internationalen Fern- und Güterverkehr auf Deutschlands Straßen jeden Tag vorherrschen. Es ist ein Skandal, wenn EU-weite Vorschriften und deutsche Gesetze massiv missachtet und die Fahrer systematisch ausgebeutet werden.

Edwin Atema, Sprecher und Vermittler der Fahrer: „Einige kleine Unternehmen, deren Waren noch in Gräfenhausen stehen, kontaktieren uns jetzt und bitten die Fahrer um Hilfe, um die Situation zu beenden. Wir können nur antworten: ‚Rufen Sie bitte in Polen an, denn nur Mazur und seine Spedition in Polen hat die Lösung, um die Situation zu beenden.‘ Einige dieser Unternehmen haben sogar erklärt, dass sie bereit sind, die Fahrer zu bezahlen. Von den großen Fischen, die die wirkliche Macht haben, die Situation zu lösen, haben die Fahrer nichts gehört. Unternehmen wie DHL und Red Bull machen ihren Namen gerne
öffentlich bekannt, schweigen aber, wenn die Fahrer, die ihre Waren transportiert haben, ausgebeutet werden."


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