Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 32 - 27.04.2021

DFB soll Fußball-WM 2022 in Katar boykottieren

Frankfurt/Erfurt 28. April 2021

Anlässlich des „Workers memorial day“ fordert Michael Rudolph, Vorsitzender des DGB Hessen-Thüringen den in Frankfurt am Main ansässigen Deutschen Fußball Bund (DFB) dazu auf, die FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft der Männer 2022 in Katar zu boykottieren. „Mehr als 7.000 auf den Baustellen verstorbene Bauarbeiter*innen zeugen von der menschlichen Katastrophe, die sich im Zusammenhang mit diesem sportlichen Großereignis in den vergangenen Jahren abgespielt hat. Die Vergabe der WM an das Emirat war von Anfang an ein Fehler. Für einen generellen Abpfiff vor dem ersten Anpfiff ist es leider zu spät. Allerdings ist es höchste Zeit Konsequenzen zu ziehen. Der DFB muss der FIFA die rote Karte zeigen und seine Teilnahme an dem Turnier absagen“

Die katastrophalen Zustände auf den Baustellen, die massenhafte Ausbeutung sowie die fehlende Arbeitssicherheit auf den Baustellen, die immer wieder zu schweren Unfällen mit Todesfolge führten, wurden medial schon öfter thematisiert. Aufgrund der Hitze von bis zu 50 Grad, unzureichender Ernährung und fehlendem Trinkwasser sterben die Arbeiter*innen an Herz-Kreislauf-Versagen oder fallen aufgrund fehlender Schutzmaßnahmen von den Gerüsten. „Arbeiter*innen werden die Pässe abgenommen, die Löhne vorenthalten, sie sind in Massenunterkünften untergebracht, dürfen das Land nicht verlassen und sind letztlich nichts anderes als Sklaven eines unterdrückenden, autoritär geführten Regimes und ihrer Unternehmen“, so Rudolph.

Problematisch ist zudem die allgemeine Menschenrechtslage im Land. Rudolph, selbst glühender Fußballfan: „Frauen sind im Emirat entrechtet, Homosexualität wird mit Gefängnis bestraft, Jüdinnen und Juden die Einreise verwehrt. An diesen Zuständen hat sich trotz angeblicher Bemühungen der FIFA in all den Jahren nichts geändert. An diesem dreckigen Geschäft haben deutsche und auch hessische Architekturbüros und Baufirmen kräftig mitverdient. Daher ist die rote Linie damit längst überschritten. Es braucht ein kräftiges Zeichen internationaler Solidarität. Der DFB muss seine nach außen vertretenen Werte wie Respekt, Fair-Play und Toleranz aktiv leben. Daher schließen wir uns den Protesten internationaler Organisationen von Fußballfans und Menschenrechtsgruppen an: Die Antwort auf diese Schandtaten kann nur Boykott lauten!“

Hintergrund: Der Workers Memorial Day wird von den Gewerkschaften weltweit jährlich am 28.04. begangen. Er dient dazu, den arbeitsbedingten Toten, Verletzten und Erkrankten zu gedenken und die Öffentlichkeit auf wichtige Themen des Arbeitsschutzes aufmerksam zu machen. Seinen Ursprung hat der Workers Memorial Day in der kanadischen Arbeitsbewegung, mittlerweile ruft der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) weltweit seine Mitglieder auf, sich an diesem Tag durch öffentlichkeitswirksame Aktionen und Kampagnen zu beteiligen.


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